Alkohol wärmt von innen!?

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Im Dezember ein absolutes Muss: warm eingepackt über einen Weihnachtsmarkt zu schlendern. Die vielen Lichter, die bunt geschmückten Stände und die würzigen Düfte haben sich seit meiner Kindheit fest in meine Seele gebrannt. Verbunden mit einem Gefühl der Geborgenheit, wie man es nur zur Weihnachtszeit erleben kann. Bei unseren Weihnachtsmarktbesuchen blieben meine Eltern häufig an einem der vielen Glühweinstände stehen. Ich fand das langweilig, außerdem wurde mir beim Herumstehen nur kalt. Meine Eltern ließen sich von der Kälte nicht beirren. Kein Wunder, Alkohol wärmt schließlich von innen. Wirklich? Hilft der Glühwein besser als ein Tee beim Aufwärmen in
der Kälte? Und hilft Schnaps sogar gegen Erfrierungen?

Die Wärmeregulation im Körper

Im Gegensatz zu Schnecken und Schlangen, die ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren können, ist der Mensch ein Warmblüter. Das
bedeutet, dass wir stets eine gleichmäßige Körpertemperatur aufrechterhalten. Unsere Organe benötigen eine Temperatur von ungefähr
37 Grad Celsius, um richtig funktionieren zu können. Die aufgenommene Wärme, die Wärmeproduktion im Körper und die abgegebene Wärme müssen daher immer im Gleichgewicht sein.

Bei Kälte ziehen sich die Blutgefäße der Hautoberfläche zusammen

An unserer Körperoberfläche befinden sich ungefähr zwölf Kälterezep­to­ren pro Quadratzentimeter. Dieses Netzwerk von rund 250.000 Rezep­to­­ren sendet ständig Informationen an den Hypothalamus, die zentrale Temperatursteuerung in unserem Gehirn. Der Hypothalamus regelt die Temperatur des Körpers: Bei Kälte ziehen sich die Blutgefäße der Hautoberfläche zusammen, um das warme Blut mehr im Körperinneren zu verteilen und den Wärmeverlust über die Haut zu minimieren. Die Schweißdrüsen verringern die Bildung von Schweiß, es geht somit weniger Verdunstungswärme verloren. Instinktiv legt man bei Kälte die Arme dichter an den Körper an. Dadurch verringert sich die Körperoberfläche, über die Wärme verloren gehen könnte.

Wenn all diese Maßnahmen nicht mehr ausreichen, muss der Körper selber anfangen, Wärme zu produzieren. Hierfür verwendet er insbesondere die Körpermuskulatur. In Ruhe bildet sie fast ein Fünftel der Körperwärme. Wenn es kalt ist, steigt dieser Anteil allerdings auf bis zu 90 Prozent an. Die Muskeln spannen sich an und beginnen sich zu bewegen – der Mensch gerät ins Zittern. Je stärker das Zittern, umso mehr Wärme wird gebildet.

So beeinflusst Alkohol die Wärmeregulation

Was passiert nun mit uns, wenn wir in der Kälte Alkohol trinken?
Die natürliche Wärmeregulation wird teilweise außer Kraft gesetzt. Denn: Alkohol führt zu einer Erweiterung der Hautgefäße. Die durch Adern rot gewordene Säufernase zeugt sprichwörtlich davon. Wenn sich aber die Gefäße der Haut erweitern, fließt mehr Blut an die Körperoberfläche. Das warme Blut aus dem Körperinnern verliert nun an der Körperoberfläche seine Wärme – wir kühlen ab.

Die Erweiterung der Gefäße empfinden wir subjektiv als Wärmegefühl

Davon bekommen wir aber zunächst nichts mit. Die Erweiterung der Gefäße empfinden wir nämlich subjektiv als Wärmegefühl. Und die klirrende Kälte der Umgebung können wir aufgrund der betäubenden Wirkung des Alkohols auch nicht mehr richtig wahrnehmen. Eine fatale Fehleinschätzung: Wir fühlen uns warm, kühlen aber gleichzeitig langsam innerlich aus. Erfrierungen bis hin zum Kältetod können daher die Folge des winter­lichen Alkoholtrinkens sein.

Welche Getränke wirklich wärmen

Auf dem Weihnachtsmarkt sollte man sich also mit dem Glühwein­genuss eher zurückhalten. Warme alkoholfreie Getränke hingegen, wie etwa ein heißer Tee, oder Suppen können einen aber durchaus aufwärmen. Besonders wenn sie mit Chili, Ingwer, Rosmarin, Thymian oder Zimt gewürzt sind. Diese Gewürze regen die Durchblutung der Verdauungsorgane an. Und diese liegen tief im Körperinneren – dem besten Ort, um Wärme zu speichern.

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Lachen ist die beste Medizin - nicht nur für die Seele, sonden auch für unseren Körper. Wusstet ihr, dass Lachen beispielsweise die Funktion unseres Immunsystems verbessern kann? Ich bin Dr. Carsten Lekutat, der Moderator von "Hauptsache Gesund" im MDR Fernsehen. Geboren wurde ich 1971 in Berlin. Dort absolvierte ich auch das Studium der Humanmedizin und machte meine Facharztausbildung. Im Jahr 2000 gründete ich meine eigene Praxis, die zur akademischen Lehrpraxis der Charité Berlin wurde. Wenn ich mich ausnahmsweise einmal nicht um meine Patienten kümmere, dann stehe ich als Fernseharzt vor der Kamera. Mein Weg in die Medien begann 2001 mit diversen Expertenauftritten und Kurzdokumentationen zu verschiedenen medizinischen und wissenschaftlichen Themen bei Sat.1. Ich war "Der Gesundmacher" im WDR-Fernsehen und bin seit 2015 der Moderator der Sendung "Hauptsache Gesund" im MDR. Ausserdem bin ich auch auf den Bühnen Deutschlands mit meinem Programm "Wie Kekse Ihr Leben retten können" unterwegs.