Eier erhöhen den Cholesterinspiegel!?

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Wie war doch meine Kindheit unbeschwert! Äpfel pflückte ich einfach vom Baum, Wasser trank ich aus dem Hahn, und nach Hause musste ich, wenn die Laternen in der Straße angingen. Es war nicht notwendig, die Äpfel zu schälen, weil in der Schale möglicherweise Pestizide sein könnten. Es achtete auch keiner darauf, dass ich über den Tag verteilt genügend trank. Wann immer ich Durst hatte, trank ich Leitungs­was­ser.
Und ein Handy hatte ich auch nicht. Ich war selber dafür verantwortlich, rechtzeitig am Abend zu Hause zu sein.

Manchmal wünsche ich mir diese Zeit auch für meine eigenen Kinder zurück. Den eigenen Apfelbaum im Garten, den Gartenschlauch griffbereit und kein Handy-Funkmast weit und breit. Und am Abend als Süßigkeit ein Zucker-Ei im Glas. Was? Ja, Sie haben richtig gelesen. Als Kind bekam ich regelmäßig ein Zucker-Ei im Glas. Einfach ein Ei in ein Glas oder eine Tasse schlagen, Zucker dazu, durchquirlen, fertig. Lecker! So schmeckte meine Kindheit. Aber das ist lange her, und wegen der Gefahr von Salmonellen und Cholesterin gibt es auch kein Zucker-Ei mehr.

Cholesterin – gut oder böse?

Cholesterin ist für uns Menschen lebensnotwendig. Es ist ein wichtiger Baustoff für unsere Zellen und Bestandteil vieler Hormone. 90 Prozent des Cholesterins bildet der Körper selbst, nur ein geringer Teil wird mit der Nahrung zugeführt. Dieses Cholesterin aus der Nahrung kann unser Körper nicht in unbegrenzter Menge verwerten. Nur etwa 30 bis 60 Prozent des Nahrungscholesterins werden vom Körper verarbeitet.

Cholesterin ist nicht in Wasser löslich. Um im Blut durch den Körper transportiert zu werden, muss es an Transportstoffe gebunden werden. Diese Transportstoffe nennt man Lipoproteine. Wenn also das in der Nahrung enthaltene Cholesterin den Magen passiert hat und in den Darm gelangt ist, wird es von einer bestimmten Art von Lipoprote­inen, den Chylomikronen, aufgenommen und in die Leber transportiert.

Cholesterin wird verpackt und transportiert

Chylomikronen sind rundliche Gebilde, die aus Fetten und Eiweißen bestehen. In ihnen wird das durch den Darm aufgenommene Choles­terin verpackt und transportiert.

Von der Leber aus gelangt das Cholesterin nun mithilfe verschiedener Lipoproteine zu den Körpergeweben. Man teilt sie in solche mit geringer Dichte (LDL) und solche mit hoher Dichte (HDL) ein. Das LDL (low density lipoprotein) wird häufig als »schlechtes Cholesterin« bezeichnet, da es sich in Richtung Gewebe und Gefäße bewegt. Und hier gilt es als ein Risikofaktor für die Entstehung der Gefäßverkalkung, der Arteriosklerose.

HDL (high density lipoprotein) bindet das Cholesterin im Gewebe und transportiert es zurück in die Leber. Deshalb bezeichnet der Arzt das HDL auch häufig als »gutes Cholesterin«, da es Richtung Leber wandert und hier ausgeschieden wird.

Der Körper schützt sich selber

Eier enthalten viel Cholesterin, ungefähr 280 Milligramm pro Ei. Beachtet man, dass die Amerikanische Herzgesellschaft eine maximale tägliche Zufuhr von 300 Milligramm Cholesterin empfiehlt, wird es eng an der Cholesterinfront, wenn man beim morgendlichen Frühstück bereits mit einem Ei beginnt. Daher sollte die wöchentliche Menge an Frühstückseiern die Zahl zwei nicht übersteigen.

Der Körper schützt sich selbst

Wenn man übermäßig viel Cholesterin mit der Nahrung aufnimmt, scheint der Körper sich aber selbst vor der Fett-Schwemme zu schützen. Denn Darmzellen filtern das übermäßige Cholesterin offensichtlich heraus. Weshalb wird dann aber vor dem Verzehr von mehr als zwei Frühstückseiern pro Woche gewarnt? Bei den meisten Menschen kommt es nach einer üppigen Mahlzeit zwar kaum zu einem Anstieg der Cholesterinwerte im Blut. Leider funktioniert dieser Mechanismus aber nicht bei allen Menschen.

Auch mit den Eiern ist es also so wie bei vielen Dingen im Leben: Maßvoll leben, aber mit Genuss. Auf mein Zucker-Ei im Glas werde ich allerdings wohl doch verzichten müssen, denn vor Salmonellen schützt mich auch ein guter Cholesterinspiegel nicht.

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Lachen ist die beste Medizin - nicht nur für die Seele, sonden auch für unseren Körper. Wusstet ihr, dass Lachen beispielsweise die Funktion unseres Immunsystems verbessern kann? Ich bin Dr. Carsten Lekutat, der Moderator von "Hauptsache Gesund" im MDR Fernsehen. Geboren wurde ich 1971 in Berlin. Dort absolvierte ich auch das Studium der Humanmedizin und machte meine Facharztausbildung. Im Jahr 2000 gründete ich meine eigene Praxis, die zur akademischen Lehrpraxis der Charité Berlin wurde. Wenn ich mich ausnahmsweise einmal nicht um meine Patienten kümmere, dann stehe ich als Fernseharzt vor der Kamera. Mein Weg in die Medien begann 2001 mit diversen Expertenauftritten und Kurzdokumentationen zu verschiedenen medizinischen und wissenschaftlichen Themen bei Sat.1. Ich war "Der Gesundmacher" im WDR-Fernsehen und bin seit 2015 der Moderator der Sendung "Hauptsache Gesund" im MDR. Ausserdem bin ich auch auf den Bühnen Deutschlands mit meinem Programm "Wie Kekse Ihr Leben retten können" unterwegs.