Gerade zu sitzen ist das Beste für den Rücken!?

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Die Schule war anstrengend für mich. Nicht nur weil ich mich auf den Unterricht konzentrieren musste, sondern auch weil ich still sitzen sollte. Kippeln war verboten. Unsere Lehrerin sagte: »Wenn du umfällst und mit dem Kopf gegen die Heizung stößt, dann bist du tot.« Auf dem Stuhl herumzuhängen war genauso verboten. Das genüssliche Fletzen galt als unhöflich und als Gift für den Rücken. Jahrelang bemühte ich mich um anständiges Sitzen, auch wenn der Rücken schmerzte. Heute bin ich selber Vater zweier Töchter, und das Kippeln ist bei uns genauso verboten. Aber gerade sitzen, muss das wirklich sein?

Ist ein gerader Rücken ein gesunder Rücken?

Wenn der moderne Mensch eine Sache gut kann, dann ist es Sitzen. Immerhin sitzen wir pro Tag ungefähr fünfeinhalb Stunden, das haben Forscher in einer Studie an der Deutschen Sporthochschule in Köln herausgefunden. Aber richtiges Sitzen will gelernt sein. Der Rücken ist nämlich für längeres Sitzen nicht geeignet. Die Betonung liegt hier auf dem Wort länger. Ein längeres, starres Sitzen verlangt der Rückenmuskulatur einiges ab: Sie muss ständig Haltearbeit leisten und verspannt, andere Muskelgruppen erschlaffen und bilden sich zurück. Die Bandscheiben werden einseitig belastet und aufgrund der fehlenden Bewegung schlechter mit Nährstoffen versorgt.

Das aufrechte Sitzen mit nach vorne gekipptem Becken, herausgestreckter Brust und erhobenem Kopf ist nicht die natürliche Form des entspannten Sitzens. Wissenschaftliche Messungen zeigen, dass wir Wirbelsäule und Bandscheiben stärker beanspruchen, wenn wir an­gespannt auf einem Stuhl sitzen, als wenn wir in einem Sessel lümmeln.

DIE BANDSCHEIBEN – STOSSDÄMPFER UNSERER WIRBELSÄULE

Die Bandscheiben sind Verbindungen zwischen den einzelnen Wirbeln der Wirbelsäule. Der menschliche Körper hat insgesamt 23 Bandscheiben. Sie bestehen jeweils aus einem inneren, mit Flüssigkeit gefüllten Gallertkern und einem äußeren Faserring. Der innere Kern wirkt wie ein mit Flüssigkeit gefülltes Kissen und puffert die Stöße ab, die auf unsere Wirbelsäule einwirken.

Im Laufe des Tages werden wir bis zu drei Zentimeter kleiner

Im Laufe des Tages tritt durch die Belastungen, denen die Wirbelsäule ausgesetzt ist, Flüssigkeit aus den Bandscheiben aus. Über Nacht füllen sich die Bandscheiben wieder mit Flüssigkeit auf. Der Mensch ist daher am Abend bis zu drei Zentimeter kleiner als am Morgen! Man kann die Bandscheiben mit einem Schwamm vergleichen, der bei Druck ausgepresst wird und sich bei Entlastung wieder vollsaugt. Über diesen Mechanismus werden die Bandscheiben auch mit Nährstoffen versorgt. Das ist notwendig, da sie selber keine Blutgefäße enthalten und folglich auch nicht durchblutet werden.

Richtig sitzen für die Bandscheiben

Wenn Sie im Sitzen etwas für Ihre Bandscheiben tun wollen, dann
stellen Sie Ihre Rückenlehne auf einen Winkel von 135 Grad ein.
Genau genommen ist es die mittlere Position zwischen einem aufrech­ten Sitzen (90 Grad) und einem flachen Liegen (180 Grad). In dieser Position sind die Bandscheiben am wenigsten belastet.

DYNAMISCHES SITZEN

Eine Körperhaltung der größten Entspannung ist allerdings nur die eine Seite gesunden Sitzens. Denn selbst in der optimalen 135-Grad-Position fehlt den Bandscheiben und den Gelenken etwas, was diese Körperteile dringend benötigen: Bewegung! Knorpel und Bandscheibengewebe ernähren sich nicht durch Durchblutung, sondern durch die sie umgebende Flüssigkeit. Und damit die Nährstoffe eindringen können, müssen die Strukturen bewegt werden. Der Wechsel zwischen Be- und Entlastung belebt die Gewebe. Dynamisches Sitzen ist daher das Zauberwort, oder anders gesagt: Wechseln Sie Ihre Sitzhaltung immer wieder. Sitzen Sie mal vorgeneigt, mal ganz gerade, mal nach hinten gelehnt. Und sorgen Sie, wenn Sie viel am Schreibtisch arbeiten, für die richtigen Büromöbel, die das dynamische Sitzen unterstützen.

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Lachen ist die beste Medizin - nicht nur für die Seele, sonden auch für unseren Körper. Wusstet ihr, dass Lachen beispielsweise die Funktion unseres Immunsystems verbessern kann? Ich bin Dr. Carsten Lekutat, der Moderator von "Hauptsache Gesund" im MDR Fernsehen. Geboren wurde ich 1971 in Berlin. Dort absolvierte ich auch das Studium der Humanmedizin und machte meine Facharztausbildung. Im Jahr 2000 gründete ich meine eigene Praxis, die zur akademischen Lehrpraxis der Charité Berlin wurde. Wenn ich mich ausnahmsweise einmal nicht um meine Patienten kümmere, dann stehe ich als Fernseharzt vor der Kamera. Mein Weg in die Medien begann 2001 mit diversen Expertenauftritten und Kurzdokumentationen zu verschiedenen medizinischen und wissenschaftlichen Themen bei Sat.1. Ich war "Der Gesundmacher" im WDR-Fernsehen und bin seit 2015 der Moderator der Sendung "Hauptsache Gesund" im MDR. Ausserdem bin ich auch auf den Bühnen Deutschlands mit meinem Programm "Wie Kekse Ihr Leben retten können" unterwegs.