Glücklich sein trotz Demenz?

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Ich schreibe gerade mein neues Buch „Und morgen treffen wir uns gestern“. Es erscheint im September und widmet sich dem Thema Demenz. Anders als viele andere Bücher zu diesem schwierigen Thema ist es kein Sachbuch, sondern ein Roman. Es ist eine Geschichte, die Mut machen soll.

Und morgen treffen wir uns gestern

In meiner Sprechstunde treffe ich häufig auf Menschen mit einer Demenz, die auf mich erstaunlicherweise einen sehr glücklichen Eindruck machen. Sie lachen, singen, leben. Ganz anders, als die Angehörigen, die neben ihnen sitzen. Die sind eher traurig, überfordert und verzweifelt.

Ich habe mich daher schon längere Zeit gefragt: Kann es sein, dass eine Demenz für die Angehörigen häufig schlimmer zu ertragen ist, als für den Betroffenen selbst?

Das Leben ist wie Zuckerwatte

Mein Roman erzählt die Geschichte von Oliver Fischer, genannt Fisch. Er ist Jazzmusiker, Mitte 50 und er leidet an der Frühform einer Alzheimer Demenz. „Das Leben ist wie Zuckerwatte“ , sagt er. „Man bekommt es zunächst gar nicht mit, wenn ein Stückchen fehlt. Aber irgendwann ist nur noch der trockene Holzstab übrig.

Aber Fisch empfindet die Demenz nicht als Endstation, sondern als Beginn von etwas Neuem. Mit Hilfe einer Medizinstudentin macht er sich auf die Reise von der äußeren Welt zu seiner persönlichen Welt im Inneren. Mit jeder verlorenen Erinnerung an sein Leben gewinnt er neue Empfindungen und Erkenntnisse hinzu. Aus anfänglicher Angst wächst Zuversicht und tiefes Glück.

Ich brauche Eure Hilfe

Für meine Arbeit am Roman interessieren mich Eure Erfahrungen mit demenzkranken Menschen. Vielleicht habt Ihr in Eurer Familie ja ebenfalls Angehörige mit Alzheimer. Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht wie ich? Oder habt Ihr eher das Gefühl, demenzkranke Menschen leiden sehr unter der Situation?

Vielleicht kennt Ihr auch lustige, traurige oder emotionale Geschichten aus Eurem Leben mit Alzheimer-Betroffenen, die Ihr mit mir teilen möchtet?

Unter diesem Artikel habt Ihr die Möglichkeit, Eure Gedanken mit mir zu teilen. Gerne auch Anonym als Gast.

Ach so: mehr Infos zum Buch gibt es jetzt schon hier.

Ich danke Euch für Eure Hilfe!

Euer

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Lachen ist die beste Medizin - nicht nur für die Seele, sonden auch für unseren Körper. Wusstet ihr, dass Lachen beispielsweise die Funktion unseres Immunsystems verbessern kann? Ich bin Dr. Carsten Lekutat, der Moderator von "Hauptsache Gesund" im MDR Fernsehen. Geboren wurde ich 1971 in Berlin. Dort absolvierte ich auch das Studium der Humanmedizin und machte meine Facharztausbildung. Im Jahr 2000 gründete ich meine eigene Praxis, die zur akademischen Lehrpraxis der Charité Berlin wurde. Wenn ich mich ausnahmsweise einmal nicht um meine Patienten kümmere, dann stehe ich als Fernseharzt vor der Kamera. Mein Weg in die Medien begann 2001 mit diversen Expertenauftritten und Kurzdokumentationen zu verschiedenen medizinischen und wissenschaftlichen Themen bei Sat.1. Ich war "Der Gesundmacher" im WDR-Fernsehen und bin seit 2015 der Moderator der Sendung "Hauptsache Gesund" im MDR. Ausserdem bin ich auch auf den Bühnen Deutschlands mit meinem Programm "Wie Kekse Ihr Leben retten können" unterwegs.
  • Doc Leku

    Ich freue mich auf Eure Kommentare und Gedanken.
    Euer Carsten Lekutat

  • flowerpouder

    Hi.
    Ich hatte im Familienkreis bisher „nur“ mit Altersdemenz zu tun. Oma war davon betroffen und ihren Kindern fiel die Entscheidung, sie dann nach einem Krankenhausaufenthalt direkt ins Pflegeheim zu befördern, extrem schwer. Alle Möglichkeiten wurden abgesägt, eine Rundumbetreuung aber auch mit 3 Menschen schwer realisierbar wg Arbeit,Entfernung. Natürlich bleibt immer ein schlechtes Gewissen, schließlich will man jmd, der immer für alle da war nicht einfach abschieben. Es gab durchaus lustige Dinge. So behauptete sie, der Papst wäre bei ihr gewesen. Es gab immer Höhen und Tiefen, manchmal hat sie uns erkannt, manchmal nicht und manchmal machte sie sich einen Spass daraus, uns nicht zu erkennen. Unsere Oma war vom Gemüt her immer eine lieber Mensch und eher ruhig. Sie fragte oft, wann sie nach Hause darf, aber irgendwann ließ das nach. Sie schlief dann immer viel. Oft saß ich einfach nur bei ihr, hab ihre Hand gehalten, so wie sie es tat, wenn wir krank waren. Oft habe ich dabei auch vorgelesen, einfach, damit sie eine vertraute Stimme hört. Viel Reaktion kam dann nicht. Irgendwann ist sie dann im Beisein ihrer Töchter für immer eingeschlafen.

    Im Bekanntenkreis gab es auch einen Mann, der an Demenz erkrankte. Jeden Tag lief er seine Runde um den Block. Jeder kannte ihn in dem kleinen Ort. Es kamen Zeiten, in denen er den Weg nicht mehr nach Hause fand. Seine Frau hatte beschlossen, ihn bis zum Schluss zu pflegen. Es war nicht leicht, denn irgendwann erkannte er sie nicht mehr und ging auch auf sie los. Trotzdem machte sie weiter. Ich ziehe den Hut, denn sie trug teilweise schlimme Verletzungen davon. Aber ins Heim kam für sie nicht in Frage. Zur Entlastung kam er in eine Teilzeitpflegestätte, war aber trotzdem dann abends und an den Wochenenden zu Hause. Hier ist er dann irgendwann verstorben.
    Fazit: Die Betroffenen empfinden diese Krankheit vielleicht ab einem bestimmten Zeitpunkt vielleicht gar nicht mehr als schlimm. Ich denke Dr körperliche Verfall und das Verhalten ist für die Angehörigen meist schwerer zu ertragen.
    Gruß von Frau Treibstoff und gutes Gelingen.

  • luckimaus

    Hi,
    als ich vor ca. 30 Jahren eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht habe, hatte ich eine Patientin mit Alzheimer-Demenz. Die konnte nicht sprechen, ihren Mann der regelmäßig kam, hat sie nicht mehr erkannt, aber laufen konnte sie. Manchmal ist sie auch einfach weggelaufen. Von Kladow bis zum Schloß Charlottenburg. Die Stationsschwester hat ihr dann ein Schild um den Hals gehängt, mit ihrem Namen und wo sie hin gehört. Die Polizei hat sie auch immer wieder gebracht. Morgens lag sie manchmal in anderen Betten, bei anderen Patienten.

    Mein Opa war auch dement, hatte aber kein Alzheimer. Der hatte immer noch klare Momente und hat mich immer angestupst und dann gesagt „ist schon blöd, wenn man alles vergisst“. Das finde besonders schlimm, wenn die Leute das selber mitbekommen.