Kaltes Duschen härtet ab!?

Fördert kaltes Duschen wirklich die Gesundheit? Ihr werdet überrascht sein.

700

Meine Oma sagte immer: »Ein bisschen Hungern und ein bisschen Frieren, und du wirst hundert Jahre alt.« Mit dem Hungern habe ich es nicht so, aber das bisschen Frieren macht mir nichts aus. Vor allem nicht, wenn ich morgens aus der eiskalten Dusche steige und mir denke, was für ein harter Kerl ich doch bin. Aber stimmt es eigentlich wirklich, dass kaltes Duschen die Immunabwehr stärkt? Setze ich mich jeden Morgen zu Recht der Kälte aus, oder sollte ich mir ein Beispiel an meiner Frau nehmen, die lieber ausgiebig warm duscht und dabei immer ein fröhliches Lied auf den Lippen hat?

Warm oder kalt – oder gar beides

In der Tat gibt es Studien, die Wechselduschen und Sauna Abhärtungseffekte auf unsere Immunabwehr zuschreiben. In der Universitätsklinik Jena wurden Patienten mit chronischer Bronchitis mit Wasseranwen­dungen nach Kneipp behandelt. Über zehn Wochen dauerte die Kur, dann wurde die Immunabwehr der Lungenpatienten gemessen. Und die Anzahl der Lymphozyten, also der für die Krankheitsabwehr verantwortlichen Blutzellen, war tatsächlich um 13 Prozent gestiegen.

Was aber wahrscheinlich noch wichtiger für die Menschen war: Die Zahl der Infektionen ist ebenfalls gesunken – für chronisch Lungenkranke ein unschätzbarer Vorteil, kann doch jede Lungenentzündung tödlich enden.

Wenn man unter der Dusche übt, kann der Körper schneller auf unterschiedliche Temperaturen reagieren.

Was macht aber die Wirkung der Wechselduschen aus? Forscher glauben an einen Lerneffekt des Körpers, der sich den unterschiedlichen Temperaturen quasi als Training aussetzt. Wenn man unter der Dusche den Temperaturwechsel übt, dann kann der Körper im Laufe des Tages schneller auf unterschiedliche Temperaturen reagieren.

In unserer modernen Zeit haben wir kaum noch Möglichkeiten, auf Temperaturunterschiede unserer Umwelt zu reagieren. Wir wachen in unserer geheizten Wohnung auf, steigen in das Auto mit Klimaanlage, arbeiten im voll klimatisierten Büro, und sollte uns doch einmal der Wind um die Nase wehen, dann packen wir uns in thermoaktive Funktionswäsche. Aber wehe, wir sitzen in der überheizten U-Bahn inmitten schnupfnasiger Berufspendler und warten dann beim Umsteigen auf dem kalten und windigen U-Bahnhof. Dann erwischt uns eine Erkältung eiskalt, weil unser Körper nicht schnell genug auf die Temperaturschwankung reagieren kann.

Wechselduschen – so wird’s gemacht

Dann wohl doch lieber unter der wohligen Dusche den Wechsel zwischen warm und kalt üben. Aber wie übt man das am besten? Viele Menschen habe nahezu panische Angst vor kaltem Wasser. Deshalb erst mal eine positive Nachricht: Wer einmal mit Wechselduschen angefangen hat, will meistens gar nicht mehr damit aufhören. So belebend und erfrischend kann sich das anfühlen – wenn man es richtig macht.

Häufig wird empfohlen, mit lauwarmen Wassergüssen der Beine anzufangen.

Häufig wird empfohlen, mit lauwarmen Wassergüssen der Beine anzufangen. Ein Guss ist ein schwerer Wasserstrahl, wie aus einem Gartenschlauch ohne Zerstäuber. Dieser schwere Strahl soll dann vom Knie abwärts auf die Unterschenkel gegossen werden. Man kann die Temperatur absenken und einen kühlen Strahl genießen – aber nicht zu lange, es darf kein Friergefühl aufkommen. Danach folgt wieder ein warmer Strahl. Diese Prozedur wird mehrmals wiederholt und mit einem kalten Guss beendet. Im Anschluss daran ist ausgiebiges Abtrocknen wichtig.

Wer den Guss vom Knie abwärts beherrscht, kann sich langsam über den Oberschenkel bis hin zur Hüfte vorarbeiten. Diese Kneipp’schen Güsse eignen sich hervorragend, um das Venensystem der Beine zu trainieren und Krampfadern vorzubeugen.

Kalt duschen fürs Immunsystem

Zur Kräftigung des Immunsystems habe ich darüber hinaus eine
be­sonders effektive Variante des kalten Duschens entdeckt. Ich habe sie die Gesundmacher-Methode genannt.

Sie wirkt auf den gesamten Körper und ist auch von kältescheuen Menschen gut durchführbar. Aber Vorsicht: Wenn Sie an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, fragen Sie bitte zuerst Ihren Arzt, ob Sie diese Methode durchführen dürfen.

Bei der Gesundmacher-Methode können Sie Tag für Tag die kühlen Temperaturen leicht absenken. Die warme Temperatur zu Beginn des Duschens sollte allerdings nicht verändert werden. Dieses stufenweise Absenken der Temperatur und die Aktivität unter dem kühlen Strahl erleichtert es den meisten Menschen, die Kälte zu ertragen. Man steht nicht bewegungslos unter dem kühlen Nass und ist ihm ausgeliefert, sondern bewegt sich und reibt Kopf und Haut. Außerdem ermöglicht das langsame, über mehrere Tage fortgeführte Absenken der Wasser­temperatur dem Körper eine schonende Anpassung an die neuen,
noch ungewohnten Duschtemperaturen.

Man spart Geld und schützt die Umwelt.

Ein angenehmer Nebeneffekt: Die Duschzeit verkürzt sich deutlich – man spart Geld und schützt die Umwelt.

Aber mit dem kalten Duschen ist es wie bei jedem Training: Man sollte über eine längere Zeit üben und darf auch nicht mehr damit aufhören, sonst verlernt der Körper die erworbenen Fähigkeiten wieder. Ihr Immunsystem wird es Ihnen danken.

Teilen
Lachen ist die beste Medizin - nicht nur für die Seele, sonden auch für unseren Körper. Wusstet ihr, dass Lachen beispielsweise die Funktion unseres Immunsystems verbessern kann? Ich bin Dr. Carsten Lekutat, der Moderator von "Hauptsache Gesund" im MDR Fernsehen. Geboren wurde ich 1971 in Berlin. Dort absolvierte ich auch das Studium der Humanmedizin und machte meine Facharztausbildung. Im Jahr 2000 gründete ich meine eigene Praxis, die zur akademischen Lehrpraxis der Charité Berlin wurde. Wenn ich mich ausnahmsweise einmal nicht um meine Patienten kümmere, dann stehe ich als Fernseharzt vor der Kamera. Mein Weg in die Medien begann 2001 mit diversen Expertenauftritten und Kurzdokumentationen zu verschiedenen medizinischen und wissenschaftlichen Themen bei Sat.1. Ich war "Der Gesundmacher" im WDR-Fernsehen und bin seit 2015 der Moderator der Sendung "Hauptsache Gesund" im MDR. Ausserdem bin ich auch auf den Bühnen Deutschlands mit meinem Programm "Wie Kekse Ihr Leben retten können" unterwegs.