Nach dem Essen sollst Du ruhn!?

558

Kennen Sie das Sprichwort: »Nach dem Essen sollst Du ruhn oder tausend Schritte tun«? Das ist schon ein seltsames Sprichwort, weil es einen ziemlich ratlos zurücklässt. Was soll man denn nun tun? Sich nach dem Essen hinlegen und ausruhen oder sich doch lieber bewegen? Möglicherweise ist es vielleicht sogar egal, was man tut, schließlich steht da das Wort »oder«? Aber wenn es egal ist, warum gibt es dann überhaupt ein Sprichwort über das optimale Verhalten nach dem Essen?

Kennen Sie das Sprichwort: »Nach dem Essen sollst Du ruhn oder tausend Schritte tun«? Das ist schon ein seltsames Sprichwort, weil es einen ziemlich ratlos zurücklässt. Was soll man denn nun tun? Sich nach dem Essen hinlegen und ausruhen oder sich doch lieber bewegen? Möglicherweise ist es vielleicht sogar egal, was man tut, schließlich steht da das Wort »oder«? Aber wenn es egal ist, warum gibt es dann überhaupt ein Sprichwort über das optimale Verhalten nach dem Essen?

Was passiert nach dem Essen?

Nach dem Essen schaltet der Körper auf »Verdauung« um. Unsere Verdauung beginnt bereits im Mund. Dann wandert die Nahrung abwärts durch die Speiseröhre Richtung Magen. In den Magen gelangt der Speisebrei durch den Mageneingang, die Kardia. Der Magen selbst hat ein Fassungsvermögen von ungefähr eineinhalb bis zwei Litern. Durch den Pförtner (Pylorus) verlässt der Speisebrei den Magen wieder und wird weiter in den Dünndarm geschoben. Danach wandert Der Nahrungsbrei, dem wichtige Nährstoffe und Flüssigkeit entzogen wurden, durch den Dickdarm und den Mastdarm und verlässt den Körper durch den Anus.

Ruhe nach dem Essen?

Sich direkt nach dem Essen hinzulegen ist nicht immer die beste Idee, auch wenn das Sprichwort zum Ruhen geradezu einlädt. Der Nahrungsbrei im Magen stimuliert nämlich die Magensäureproduktion. Und wenn die Säure in die Speiseröhre zurückfließt, dann verursacht das Sodbrennen. Das ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch gesundheitliche Schäden verursachen.

Achtung: Sodbrennen!

Durch das Hinlegen direkt nach dem Essen können bei einem verminderten Verschlussdruck des Mageneingangs Speisebrei und Magensäure leichter zurückfließen. Das ist gar nicht so selten, wie man vielleicht denken mag. Das Risiko des Rückflusses ist siebenfach erhöht, wenn man sich innerhalb von drei Stunden nach dem Essen hinlegt. Deshalb dürfen bestimmte Medikamente nur eingenommen werden, wenn man nach der Einnahme aufrecht bleibt (sogenannte Bisphosphonate zur Behandlung von Osteoporose). Diese dürfen keinesfalls zurück in die Speiseröhre gelangen, da sie diese sonst massiv schädigen könnten.

Oder tausend Schritte tun?

Wenn also das Hinlegen und Ausruhen nach dem Essen durchaus Gefahren bergen kann, wie sieht es dann mit der Bewegung nach dem Essen aus? Die Verdauung des Menschen wird durch den Ruhenerv, den Nervus vagus, stimuliert. Und der Ruhenerv hat wenig mit sportlicher Betätigung zu tun. Außerdem ist das Verdauen anstrengend, sodass nach dem Essen sicherlich keine körperlichen Höchstleistungen erzielt werden können. Das Blut findet sich eher im Bauchraum als in der Muskulatur, wir fühlen uns müde und können uns schlechter konzentrieren.

Von Fall zu Fall entscheiden

Wenn uns also das Sprichwort nicht weiterbringt, dann wahrscheinlich der gesunde Menschenverstand: Wenn ich eine leichte Mahlzeit zu mir genommen habe, dann ist gegen einen Spaziergang sicherlich nichts einzuwenden. Habe ich mir allerdings ein üppiges Mahl einverleibt, sollte ich eher noch ein bisschen sitzen bleiben und mich ausruhen. Gegen ein Nickerchen nach dem Essen ist nichts einzuwenden, sofern Sie nicht zu Magenbeschwerden (Sodbrennen) neigen.

Teilen
Lachen ist die beste Medizin - nicht nur für die Seele, sonden auch für unseren Körper. Wusstet ihr, dass Lachen beispielsweise die Funktion unseres Immunsystems verbessern kann? Ich bin Dr. Carsten Lekutat, der Moderator von "Hauptsache Gesund" im MDR Fernsehen. Geboren wurde ich 1971 in Berlin. Dort absolvierte ich auch das Studium der Humanmedizin und machte meine Facharztausbildung. Im Jahr 2000 gründete ich meine eigene Praxis, die zur akademischen Lehrpraxis der Charité Berlin wurde. Wenn ich mich ausnahmsweise einmal nicht um meine Patienten kümmere, dann stehe ich als Fernseharzt vor der Kamera. Mein Weg in die Medien begann 2001 mit diversen Expertenauftritten und Kurzdokumentationen zu verschiedenen medizinischen und wissenschaftlichen Themen bei Sat.1. Ich war "Der Gesundmacher" im WDR-Fernsehen und bin seit 2015 der Moderator der Sendung "Hauptsache Gesund" im MDR. Ausserdem bin ich auch auf den Bühnen Deutschlands mit meinem Programm "Wie Kekse Ihr Leben retten können" unterwegs.