Nagelflecken deuten auf einen Kalziummangel hin?!

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Manchmal verschwinden meine Töchter im Badezimmer und sind für einige Zeit nicht mehr gesehen. Wenn sich die Tür zum Bad wieder öffnet, haben sie pink- oder lilafarbenen Nagellack aufgetragen.

Schick! Was ist jedoch, wenn unsere Nägel plötzlich weiße Flecken bekommen? Soll ich eine Kalzium-Brausetablette nehmen? Aber sind Flecken auf den Nägeln wirklich ein Zeichen für Kalziummangel?
Und wie ist es mit Rillen? Oder mit brüchigen Nägeln?

Der Aufbau des Nagels

Eigentlich ist ein Fingernagel auch nichts anderes als spezielle Haut. Aus der Oberhaut in der Nagelwurzel entstandene Hornplatten wach-
sen nach vorne und bilden die Nagelplatte. 100 bis 150 Lagen von Hornzellen bilden einen Nagel. Ein Nagel wächst mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 0,5 bis 1,2 Millimetern pro Woche.

Den Ort, an dem der neue Nagel gebildet wird, nennt man Matrix. Der sichtbare Anteil der Nagelmatrix ist die sogenannte Lunula, der halbmondförmige weiße Bereich am Beginn des Nagels. Die seitliche Begrenzung des Nagels bildet eine Hautfalte, Nagelwall genannt. Die Haut, die auf dem unteren Nagelteil aufliegt, nennt man Nagelhaut.

Das bindegewebige Nagelbett, das ist der gut durchblutete Bereich unterhalb der Nagelplatte, ist fest mit der Knochenhaut des Fingerknochens verwachsen. Die Fingernägel bilden ein wichtiges Widerlager für die Fingerbeeren (das sind die Fingerspitzen). Wenn wir mit unseren Fingern etwas ertasten wollen, dann widersteht der Nagel auf der anderen Fingerseite dem Druck und gibt uns so ein optimales Tastgefühl.

Ein gesunder Nagel ist fest und trotzdem biegsam, die Oberfläche ist glatt und schimmert matt. Die Halbmondzone im unteren Nagelbereich ist etwas heller als der übrige Nagel.

Der Nagel als Diagnosehilfe

Manchmal treten am Nagel Veränderungen auf. Viele Veränderungen gehören zu einem normalen Leben eines Nagels dazu, einige können jedoch auf Krankheiten der Haut, der Nägel oder des gesamten Körpers hinweisen. Ein Arzt, der eine gründliche körperliche Untersuchung durchführt, wird sich daher auch die Nägel des Patienten anschauen.

BRÜCHIGE NÄGEL

Die häufigste Nagel-Beschwerde, mit der Patienten zu mir in die Praxis kommen, ist die Klage über brüchige oder splitternde Nägel. Hier kann ein Mangel an Biotin dahinterstecken. Dieser lässt sich relativ einfach durch die richtige Ernährung wieder ausgleichen: Vor allem Soja, Hefe, Walnüsse und Haferflocken enthalten dieses Vitamin. Wer es bequemer mag, kann auch Nahrungsergänzungsmittel mit Biotin einnehmen. Aber nicht immer muss ein Mangelzustand schuld an den brüchigen Nägeln sein. Häufiger liegt die Ursache im übermäßigen Gebrauch von chemischen Nagellackentfernern. Das erklärt auch, warum vor allem Frauen mit diesen Beschwerden zu mir kommen. Auch ein häufiger und intensiver Wasserkontakt, wie beim Abspülen oder Putzen, kann die Nägel brechen lassen, da Wasser die Nagelkittsubstanz schädigt.

WEISSE FLECKEN UND STREIFE

Auch die weißen Flecken und Streifen, die man häufig auf den Nägeln findet, sind kein Anzeichen eines Mangels. Ganz im Gegenteil, auch hier ist meistens ein Zuviel an Pflege schuld an dem Übel: Übermäßige Maniküre, vor allem mit allzu großzügigem Zurückschieben der Nagelhaut, führt zu den Schädigungen, die mit dem Nagel herauswachsen. Eine Behandlung ist nicht notwendig.

RILLEN

Bei den Rillen muss man die Längsrillen von den Querrillen unterscheiden. Während die gleichmäßig parallel verlaufenden Längsrillen ein typisches Alterszeichen der Nägel darstellen und keinesfalls etwas mit Nährstoffmangel zu tun haben, können die Querrillen tatsächlich ein Zeichen eines gestörten Nagelwachstums in der Wachstumszone sein.

So können schwere Erkrankungen, beispielsweise des Herz-Kreislauf-Systems, aber auch fieberhafte Infektionen, eine Störung des Stoffwechsels innerhalb der Nagelwachstumszone hervorrufen. Diese führt dann zur Ausbildung einer Querrille. Am Abstand der Rille zur Matrix kann man sogar abschätzen, wie lange die Erkrankung her war. Es sorgt immer wieder für Erstaunen in meiner Praxis, wenn ich einen Patienten untersuche und nach einem Blick auf seine Finger frage: »Waren Sie vor ungefähr sechs Wochen krank?«

VERLETZUNGEN

Ist das Nagelbett verletzt, beispielsweise durch das Einklemmen eines Fingers in der Tür, bleibt der Nagel meist ein ganzes Leben lang geschädigt. Wenn die Matrix durch eine Verletzung zerstört wurde, fällt der Nagel aus und wächst nicht mehr oder nicht mehr vollständig nach. Bei Zehennägeln macht sich der Chirurg das sogar therapeutisch zunutze: Ist der Nagel am Wall eingewachsen, schneidet der Chirurg ein Stück am Rand von ihm ab und zerstört die Nagelmatrix an dieser Stelle. Das vermeidet ein Nachwachsen dieses Nagelteiles und verhindert eine erneute Verletzung des Nagelwalls.

Ist Kalzium gut für die Nägel?

Kann ich denn nun meine Nägel durch den Verzehr von Kalzium stärken? Dieser Frage sind neuseeländische Forscher nachgegangen. Sie befragten 700 Frauen, die aufgrund einer Osteoporose an einer Studie teilgenommen hatten. Sie hatten entweder ein Kalziumpräparat zu sich genommen oder ein Placebo ohne Wirkstoff. Alle Frauen sagten am Ende der Studie, dass ihre Nägel glatter und weniger brüchig geworden seien. Am Kalzium kann es also nicht gelegen haben, da auch die Placebo-Patientinnen ihre Nägel als gesünder empfanden. Woran liegt es dann? Neben einer falschen Pflege kann auch zu viel Druck auf die Nägel zu weißen Flecken führen. Hierdurch bilden sich unter den Fingernägeln kleine Luftblasen, die dann zu den Flecken führen. Dieses Phänomen kann man häufig bei Handwerkern beobachten, die ihre Hände sehr stark belasten.

Vor allem Nagellackentferner, aber auch das häufige Händewaschen mit Seife kann den Nägeln Feuchtigkeit entziehen. Wenn Sie Ihren Nägeln etwas Gutes gönnen möchten, dann cremen Sie die Nägel mit einer Feuchtigkeitscreme ein. Ein bekanntes Hausmittel ist auch das Nagelbad in einem Schälchen mit Oliven- oder Mandelöl.

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Lachen ist die beste Medizin - nicht nur für die Seele, sonden auch für unseren Körper. Wusstet ihr, dass Lachen beispielsweise die Funktion unseres Immunsystems verbessern kann? Ich bin Dr. Carsten Lekutat, der Moderator von "Hauptsache Gesund" im MDR Fernsehen. Geboren wurde ich 1971 in Berlin. Dort absolvierte ich auch das Studium der Humanmedizin und machte meine Facharztausbildung. Im Jahr 2000 gründete ich meine eigene Praxis, die zur akademischen Lehrpraxis der Charité Berlin wurde. Wenn ich mich ausnahmsweise einmal nicht um meine Patienten kümmere, dann stehe ich als Fernseharzt vor der Kamera. Mein Weg in die Medien begann 2001 mit diversen Expertenauftritten und Kurzdokumentationen zu verschiedenen medizinischen und wissenschaftlichen Themen bei Sat.1. Ich war "Der Gesundmacher" im WDR-Fernsehen und bin seit 2015 der Moderator der Sendung "Hauptsache Gesund" im MDR. Ausserdem bin ich auch auf den Bühnen Deutschlands mit meinem Programm "Wie Kekse Ihr Leben retten können" unterwegs.