Salzstangen und Cola helfen nicht gegen Durchfall!

446

Sind Sie schon einmal sesshaft geworden? Ich glaube schon. Zumindest wenn man die »sitzende Krankheit« mit dem medizinischen Namen Diarrhoe damit meint. Bestimmt hatte jeder von uns schon mindestens einmal in seinem Leben Durchfall. Jede Aktivität, die eine dringend benötigte Toilette in unerreichbare Ferne rückt, bringt uns dann der Verzweiflung ein gutes Stück näher.

Meistens ist der Durchfall glücklicherweise völlig harmlos, wenn auch nervig. Gefahren bestehen vor allem bei kleinen Kindern oder bei älteren Menschen. Trotzdem existiert eine Vielzahl von Tipps und Tricks, wie man der Magen-Darm-Grippe am besten begegnen soll. Aber helfen Hausmittel wirklich? Und wie ist es mit der viel beschworenen Cola und den Salzstangen?

Wie kommt es zum Durchfall?

Jeder hat ihn – mehr oder weniger heftig – schon gehabt, aber wer kann erklären, was Durchfall eigentlich ist? Von Durchfall spricht der Arzt, wenn man mehr als 250 Gramm Stuhlgang pro Tag absetzt und die Stuhlfrequenz und der Wasseranteil zu hoch sind. Also einfacher gesagt: zu viel, zu oft, zu weich.

Durchfall entsteht im Darm. Hier werden normalerweise Zuckermole­küle in kleine Bausteine gespalten und durch die Darmwand in den Körper aufgenommen. Genau genommen ist der Innenraum des Dar­mes nämlich ein Außenraum des Körpers, eine Körperoberfläche. Alles was sich im Darm befindet, ist noch außerhalb des Körpers. Damit die Nährstoffe aufgenommen werden können, müssen sie klein gehäckselt und durch die Darmwand transportiert werden.

Dieser Transport von Zucker und Salzen wird durch Durchfallbakterien gestört. Die Erreger heften sich an die Darmwand, dringen teilweise in sie ein oder bilden Gifte. Hierdurch wird die Oberflächenstruktur der Darmwand verändert und der natürliche Prozess der Verdauung gestört.

Wenn Salze und Zucker aber nicht mehr aufgenommen werden können,
bleiben sie im Darm zurück. Hier binden sie Wasser und ziehen sogar noch Flüssigkeit aus dem Körperinneren in die Darmhöhle. In der Folge wird der Stuhlgang voluminöser und wässriger, die Darmwand gedehnt und die Peristaltik gesteigert. Dadurch wird der Stuhlgang schneller abtransportiert: Wir haben Durchfall.

Therapie Nummer 1: Flüssigkeit,
Flüssigkeit, Flüssigkeit

Das Hauptproblem der Durchfallerkrankung ist meistens nicht der Erreger, der den Durchfall ausgelöst hat, sondern der Verlust von Wasser, Salzen und Zucker, die mit dem Durchfall ausgeschwemmt werden. Durch den Flüssigkeitsverlust kann der Körper regelrecht austrocknen, der Arzt spricht dann von einer Exsikkose.

Daher steht bei der Behandlung von Durchfallerkrankungen das Ersetzen der ausgeschiedenen Flüssigkeit an erster Stelle. Denn nicht nur das aus dem Magen in den Darm transportierte und schon nach kurzer Zeit ausgeschiedene Wasser muss ersetzt werden, sondern auch die Flüssigkeit, die vom Körperinneren in die Darmhöhle gespült wurde. Diese Menge an Flüssigkeit fehlt dem Körper für den Stoffwechsel. Deshalb: Bei Durchfall immer an genügend Flüssigkeitszufuhr denken.

WIE WIRKEN COLA UND SALZSTANGEN?

Cola ist trotz seines Zuckergehaltes nicht die geeignete Therapie gegen Durchfall. Außerdem kann die Kohlensäure den Magen-Darm-Trakt zusätzlich reizen, und das enthaltene Koffein fördert die Wasserausscheidung über die Nieren. Verheerend, wenn der Körper versucht, der Austrocknung durch den Durchfall zu entgehen. Außerdem enthält Cola
selbst für Durchfallpatienten zu viel Zucker: mehr als die achtfache von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Menge! Dadurch kann der Durchfall sogar verstärkt werden, wenn sich Wasser an den Zucker bindet und so vermehrt ausgeschwemmt wird.

Und auch Salzstangen sind nicht der ideale Ersatz für die verlorenen Salze des Körpers. Durch den Durchfall wird nicht nur Speisesalz ausgeschieden, sondern auch andere Salze, wie beispielsweise Kalium und Magnesium, und diese können durch Salzstangen nicht in aus­reichender Menge zugeführt werden. Besser geeignet sind daher Tees oder fertige Elektrolyt­lösungen in Pulverform aus der Apotheke.
Diese enthalten alle wichtigen Salze und müssen nur noch in Wasser
aufgelöst werden. Im Auslandsurlaub sollte man dafür am besten abgekochtes Wasser verwenden, sonst besteht die Gefahr einer weiteren Infektion durch Erreger im Trinkwasser.

Eine Karotte im Kampf gegen Durchfallerreger

Dem Kinderarzt Ernst Moro (1874–1951) gelang es Anfang des letzten Jahrhunderts, die Sterblichkeit von Kindern mit Durchfallerkrankungen drastisch zu senken – mithilfe einer einfachen Karottensuppe.

Um nicht mit dem Nahrungsbrei ausgeschieden zu werden, klammern sich die Durchfallerreger an der Darmwand fest. Hierfür docken sie an bestimmte Rezeptoren der Schleimhaut an. Karotten enthalten Zuckermoleküle, die durch langes Kochen freigesetzt werden. Diese sehen den Rezeptoren des Darmes zum Verwechseln ähnlich. Die Bakterien heften sich daher auch an die Karotten-Zuckermoleküle und nicht nur an die Darmwand – und die an den Karotten haftenden Bakterien werden mit dem Karottenbrei ausgeschieden. Wer also dem Durchfall ein schnelles Ende bereiten will, sollte es einmal mit dieser Suppe versuchen (Rezept siehe Kasten Seite 129).

Antibiotika oder nicht?

Zwar werden Durchfallerkrankungen häufig durch Bakterien ausgelöst, eine Behandlung mit Antibiotika ist jedoch nur in seltenen Fällen nötig. Im Darm eines Menschen leben bis zu 100 Billionen Bakterien und bis zu 1000 verschiedene Bakterienarten. Diese Darmbakterien sorgen recht effektiv für eine ausgeglichene Darmflora und bekämpfen Eindringlinge. Antibiotika werden daher meistens nicht benötigt, im Gegenteil: Sie können die Darmflora erheblich stören.

Teilen
Lachen ist die beste Medizin - nicht nur für die Seele, sonden auch für unseren Körper. Wusstet ihr, dass Lachen beispielsweise die Funktion unseres Immunsystems verbessern kann? Ich bin Dr. Carsten Lekutat, der Moderator von "Hauptsache Gesund" im MDR Fernsehen. Geboren wurde ich 1971 in Berlin. Dort absolvierte ich auch das Studium der Humanmedizin und machte meine Facharztausbildung. Im Jahr 2000 gründete ich meine eigene Praxis, die zur akademischen Lehrpraxis der Charité Berlin wurde. Wenn ich mich ausnahmsweise einmal nicht um meine Patienten kümmere, dann stehe ich als Fernseharzt vor der Kamera. Mein Weg in die Medien begann 2001 mit diversen Expertenauftritten und Kurzdokumentationen zu verschiedenen medizinischen und wissenschaftlichen Themen bei Sat.1. Ich war "Der Gesundmacher" im WDR-Fernsehen und bin seit 2015 der Moderator der Sendung "Hauptsache Gesund" im MDR. Ausserdem bin ich auch auf den Bühnen Deutschlands mit meinem Programm "Wie Kekse Ihr Leben retten können" unterwegs.