Schwimmen nach dem Essen ist gefährlich!?

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Schwimmen nach dem Essen ist gefährlich. Das erzählen uns nicht nur unsere Eltern, das sagt auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in ihren Baderegeln. Eigentlich kennt jeder die Regel, dass man sich nach dem Essen nicht sofort ins kühle Nass stürzen soll. Aber warum ist es eigentlich gefährlich, direkt nach einer Mahlzeit schwimmen zu gehen? Und wie lange soll man nach dem Essen warten? Wenn ich im Strandbad sitze, sehe ich häufiger Jugend­liche, die eben noch Pommes mit Bratwurst gegessen haben, wie sie nach dem letzten Bissen sofort ins Wasser rennen. Und ich habe glücklicherweise noch nie eine Wasserleiche in meinem Lieblingsstrandbad erleben müssen. Was ist also dran an der Weisheit, nach dem Essen nicht baden zu gehen?

Das Hauptproblem: Müdigkeit

Die Liste der Gefahren, die uns ereilen könnten, wenn wir gleich
nach dem Essen ins Wasser hüpfen, ist lang: Ohnmacht, Muskelkrämpfe, Magendrücken, Ertrinken. Grund genug, sich einmal ge-
nau anzuschauen, was eigentlich passiert, wenn wir gegessen haben:

Die Nahrung gelangt beim Essen in unseren Magen und von dort in den Dünndarm. Jetzt beginnt die Arbeit der Verdauung, und dafür benötigen wir zunächst einmal ganz viel Blut im Bauchraum, um die Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen zu können. Da wir aber nicht so schnell Blut neu bilden können, verteilt der Körper die ihm zur Verfügung stehende Menge einfach um. Und zwar vom restlichen Körper in Richtung Darmtrakt. Während der Darm nun also gut versorgt ist, kommt es zu einem relativen Sauerstoffmangel in der Muskulatur und im Gehirn. Das macht uns müde.

Aber nicht nur das umverteilte Blut führt zu Müdigkeit. Auch die
Verdauungshormone können unser Wohlbefinden beeinflussen. Allen voran das Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Es sorgt dafür, dass
Zucker aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen wird. Bei
manchen Menschen kann die Insulinausschüttung so stark sein, dass
es nach dem Essen zu einem kurzzeitigen Abfall der Blutzuckerkonzentration kommt. Da unser Gehirn auf Zucker als Energiequelle ange­wiesen ist, bemerken wir auch hier wieder eine deutliche Müdigkeit.

Mahlzeiten machen uns also müde. Und wer müde ist, treibt nicht gern Sport. Allerdings weiß jeder, der nach dem Restaurantbesuch einmal dem Bus hinterhergerannt ist: Man wird nicht gleich ohnmächtig, wenn man sich nach dem Essen körperlich betätigt. Im Wasser wären eine Ohnmacht oder ein Schwindelanfall in der Tat jedoch lebensgefährlich. Leicht könnten wir die Kontrolle über uns verlieren und ertrinken.

Die größte Gefahr: Selbstüberschätzung

Die Empfehlung der DLRG, nie mit vollem Magen schwimmen zu gehen, ist also nicht ganz abwegig. Nach einer umfangreichen Mahlzeit ist es auf jeden Fall sinnvoll, zunächst einmal die Verdauung in Gang kommen zu lassen, bevor man mit anstrengenden Aktivitäten wie Schwimmen beginnt. Sollten Sie allerdings nur im Wasser ein wenig planschen und sich erfrischen wollen, können Sie das selbstverständlich auch direkt nach dem Essen tun.

»Gehe niemals mit ganz vollem oder ganz leerem Magen baden.«

DEUTSCHE LEBENS-RETTUNGS-GESELLSCHAFT (DLRG) | Baderegeln

Selbstüberschätzung und Missachtung der Risiken, die das Wasser mit sich bringt, sind sicherlich die größeren Gefahren beim Schwimmen. Wenn man sich auch nach dem Essen noch leistungsfähig fühlt, ist gegen den Sprung ins kühle Nass nichts einzuwenden. Hier entscheidet die individuelle Konstitution eines jeden Einzelnen.

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Lachen ist die beste Medizin - nicht nur für die Seele, sonden auch für unseren Körper. Wusstet ihr, dass Lachen beispielsweise die Funktion unseres Immunsystems verbessern kann? Ich bin Dr. Carsten Lekutat, der Moderator von "Hauptsache Gesund" im MDR Fernsehen. Geboren wurde ich 1971 in Berlin. Dort absolvierte ich auch das Studium der Humanmedizin und machte meine Facharztausbildung. Im Jahr 2000 gründete ich meine eigene Praxis, die zur akademischen Lehrpraxis der Charité Berlin wurde. Wenn ich mich ausnahmsweise einmal nicht um meine Patienten kümmere, dann stehe ich als Fernseharzt vor der Kamera. Mein Weg in die Medien begann 2001 mit diversen Expertenauftritten und Kurzdokumentationen zu verschiedenen medizinischen und wissenschaftlichen Themen bei Sat.1. Ich war "Der Gesundmacher" im WDR-Fernsehen und bin seit 2015 der Moderator der Sendung "Hauptsache Gesund" im MDR. Ausserdem bin ich auch auf den Bühnen Deutschlands mit meinem Programm "Wie Kekse Ihr Leben retten können" unterwegs.