Vitamin C und Zink schützen vor Erkältungen!?

452

Da wir im Leben ungefähr 200-mal an einer Erkältung erkranken, ver­bringen wir etwa fünf Jahre unserer Zeit auf diesem Planeten mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Grund genug also, sich Gedanken darüber zu
machen, wie wir grippalen Infekten vorbeugen können. Gibt es eine zuverlässige Möglichkeit, das Immunsystem so zu stärken, dass eine Erkältung erst gar nicht ausbricht? In meiner Praxis höre ich immer wieder, dass meine Patienten auf große Mengen an Vitamin C oder Zink schwören. Und das in jeglicher Form: angefangen von Brausetabletten und Kapseln aus der Apotheke über frisch ausgepresste Südfrüchte bis hin zu Hochdosis-Infusionen bei Naturheilärzten.

Doch wirkt sie wirklich, die Wunderwaffe gegen Infektionen? Können wir mit Vitamin C oder Zink der Grippe ein Schnippchen schlagen?

Die bösen Radikale

Im menschlichen Stoffwechsel entstehen neben anderen Substanzen sogenannte freie Radikale. Diese chemischen Verbindungen können
den Körper stark belasten. Sie schädigen Bausteine der Zellen und der Erbsubstanz. Und sie stehen im Verdacht, uns schneller älter werden
zu lassen und unser Immunsystem zu schwächen. Aber nur ein funktionierendes Immunsystem schützt uns vor Infektionen und Krankheiten wie Krebs. Ganz schön gefährliche Moleküle, die freien Radikale. Glücklicherweise kann unser Körper diese aggressiven Stoffe aber neutralisieren – mithilfe sogenannter Radikalfänger. Und hier treffen wir wieder auf das Vitamin C, denn Vitamin C ist der bekannteste Radikalfänger. Unerschrocken wirft sich das Vitamin in die chemische Reaktion und entschärft die Radikale, ehe sie den Körper schädigen können.

Vitamin C – Pro und Kontra

Wenn nun unser Immunsystem die Angriffe der freien Radikale mithilfe der Schutzwirkung von Vitamin C mir nichts, dir nichts abwehrt, sollten wir weniger häufig krank werden. So jedenfalls lautet die Theorie der Vitamin-C-macht-gesund-Verfechter.

Kein Effekt von Vitamin C auf Erkältungen?

Leider haben aber wissenschaftliche Studien, bei denen die Testpersonen mehr als 200 Milligramm Vitamin C pro Tag verabreicht bekamen, genau diesen Effekt nicht bestätigen können. Nur bei Extremsportlern oder Menschen, die mit besonderen klimatischen Bedingungen zurechtkommen müssen, hat Vitamin C diesen Schutzeffekt. Hier hilft der Vitalstoff in der Tat gegen Erkältungskrankheiten, jede zweite Erkrankung kann dadurch vermieden werden.

DER VITAMIN-C-TAGESBEDARF

Der normale Tagesbedarf eines Erwachsenen an Vitamin C liegt bei 100 Milligramm, eine Menge, die wir in Europa problemlos über unsere Nahrung aufnehmen. Bei Kindern liegt der normale Tagesbedarf zwischen 60 Milligramm pro Tag (1 bis 4 Jahre) und 90 Milligramm pro Tag (10 bis 13 Jahre). Da Vitamin C ein wasserlösliches Vitamin ist, bereiten auch kurzfristige Überdosierungen keine Probleme. Wir scheiden den Stoff einfach über die Nieren wieder aus. Da wir keine Schwierigkeiten mit unserer Vitamin-C-Versorgung haben, sind spezielle Vitamintabletten zur Vorsorge gegen Erkältungen nicht notwendig.

Wenn uns die Erkältung bereits erwischt hat …

Anders sieht die Situation allerdings aus, wenn einen die Erkältung bereits erwischt hat. Dann kann Vitamin C nämlich die Dauer der Infektion durchaus verkürzen. Nicht dramatisch, aber durchaus spürbar: Bei Erwachsenen um acht Prozent, bei Kindern um 14 Prozent. Das macht einen durchschnittlichen Gewinn von fast einem halben Lebensjahr ohne Schnupfen aus. Und was muss man dafür tun? Empfohlen wird eine Verdoppelung der Tagesmenge an Vitamin C pro Tag. Der zusätzliche Bedarf kann über Obst oder Gemüse, aber auch durch eine Vitamintablette gedeckt werden. Beim ersten Anzeichen einer Erkältung sollte gleich begonnen werden.

Da gibt’s aber doch noch etwas …

Ein halbes Jahr im Leben weniger Schnupfen. Das reicht Ihnen nicht? Sie glauben weiterhin an die Kraft der Vitalstoffe und sind überzeugt, dass es doch irgendwie möglich sein sollte, der Erkältung durch ein vitalstoffgestärktes Immunsystem ein Schnippchen zu schlagen? Es kann sein, dass Sie damit gar nicht so falsch liegen. Seit einiger Zeit drängt sich nämlich ein Stoff aus den hinteren Reihen der Nahrungsmittel, der durchaus das Potenzial hat, bei der Infektabwehr ganz vorne mitzuspielen: Zink!

Zink hilft

Das chemische Element ist in Studien bislang wenig erforscht. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass Zink genau das macht, was man sich vom Vitamin C erhofft hatte: Erkältungen verhindern und verkürzen.

Wird Zink als Nahrungsergänzung gleich am ersten Erkältungstag eingenommen, vermindert es die Stärke, aber auch die Dauer einer Erkältungskrankheit. Und auch zur Vorbeugung kann Zink eingenommen werden. Es zeigte sich in wissenschaftlichen Untersuchungen, dass Kinder, die mindestens fünf Monate lang Zink eingenommen hatten, seltener an Erkältungen erkrankten. Und auch bei Erwachsenen konnte Zink sich als hilfreich erweisen. Im Rahmen einer Studie wurden bei 100 erwachsenen Patienten nach Ausbruch einer Infektion Zinktabletten verordnet. Das Ergebnis: Die Krankheitsdauer wurde von durchschnittlich fast acht Tagen auf ungefähr fünf Tage verkürzt. Das wären ungefähr zwei Lebensjahre ohne Schnupfen, die wir gewinnen könnten!

Das Problem: Zink ist fast nur in Lebensmitteln tierischer Herkunft enthalten. Der typische ärztliche Tipp »Essen Sie mehr Obst und Gemüse« hilft bei der Zinkzufuhr also nicht. Und als Arzt hätte ich durchaus Probleme, Ihnen zu »Essen Sie mehr Austern, Kalbsleber und Rindfleisch« zu raten. Aber vielleicht können Sie ja mit getrockneten Linsen oder Sojabohnen Ihren Zinkbedarf in der Erkältungszeit decken. Diese Lebensmittel enthalten größere Mengen des Mineralstoffs.

Teilen
Lachen ist die beste Medizin - nicht nur für die Seele, sonden auch für unseren Körper. Wusstet ihr, dass Lachen beispielsweise die Funktion unseres Immunsystems verbessern kann? Ich bin Dr. Carsten Lekutat, der Moderator von "Hauptsache Gesund" im MDR Fernsehen. Geboren wurde ich 1971 in Berlin. Dort absolvierte ich auch das Studium der Humanmedizin und machte meine Facharztausbildung. Im Jahr 2000 gründete ich meine eigene Praxis, die zur akademischen Lehrpraxis der Charité Berlin wurde. Wenn ich mich ausnahmsweise einmal nicht um meine Patienten kümmere, dann stehe ich als Fernseharzt vor der Kamera. Mein Weg in die Medien begann 2001 mit diversen Expertenauftritten und Kurzdokumentationen zu verschiedenen medizinischen und wissenschaftlichen Themen bei Sat.1. Ich war "Der Gesundmacher" im WDR-Fernsehen und bin seit 2015 der Moderator der Sendung "Hauptsache Gesund" im MDR. Ausserdem bin ich auch auf den Bühnen Deutschlands mit meinem Programm "Wie Kekse Ihr Leben retten können" unterwegs.